Sonntag, der 15.04.2018 Punkt 06.00 Uhr, der Wecker klingelt. Das ich an dem Tag mit fürchterlichen Schmerzen und Krämpfen Richtung Ziel laufe, die mich 25 km plagen, hätte ich nicht gedacht, meine Emotionen sind mit mir durchgebrannt. Aber fangen wir Mal von vorne an.

Die Woche vor dem Marathon war ich nur einmal eine kleine 8 km Runde laufen, ich wollte meinem Körper Ruhe gönnen, habe mich viel gedehnt und war beim Yoga, was auch meiner Nervosität zugute kam. Am Abend vor dem großen Tag gab es dann die bekannte Pasta-Party (Nudeln-Essen-Overload), um die Energiespeicher aufzufüllen. Ich fühlte mich gut und fit, ging früh ins Bett. Auf dem Weg zum Start flossen ein paar kleine Tränchen vor Aufregung, aber vor allem auch aufgrund der Vorfreude.

Ich bin mit einer Freundin (Lena) an den Start gegangen, wir haben zufälligerweise auf die gleiche Zielzeit mit dem gleichen Trainingsplan trainiert.

10.30 Uhr – der Startschuss fiel und wir hängten uns an die Pacer mit einer Zielzeit von 3:30. Pacer laufen i.d.R. mit Luftballons beim Marathon zur Orientierung für die Läufer mit, daher sieht man auch oft eine große Traube um diese Pacer herum.

Es fing alles so gut an, wir konnten lange mit dem 3:30 Pacer mithalten, allerdings fing ab dem 10. km ein Ziehen in meinem rechten, hinteren Oberschenkel an, ich trank zwischendurch isotonische Getränke und nahm Powergel zu mir, in der Hoffnung, dass ich nur einen Energieschub brauchte.

Fehlanzeige. Das Ziehen entwickelte sich zu immer stärkeren Krämpfen, mein Beine fühlten sich immer mehr an wie Zementbrocken. Die erste Runde war geschafft, 21 km lagen hinter mir, ich konnte noch einen weiteren Kilometer mit Lena mithalten bis ich immer mehr realisiert habe, dass ich loslassen muss, dass ich meine Zielzeit aus dem Kopf schlagen muss und mir eingestehen, dass es nun nur noch darum ging im Ziel anzukommen. Ich sagte zu Lena, dass sie weiterlaufen soll, dass sie für ihr Ziel kämpfen und alles geben soll!!

Um nach vorne zu kommen und dort zu bleiben, kommt es nicht darauf an, wie gut du bist, wenn du gut bist, sondern wie gut du bist, wenn du „schlecht“ bist.- Martina Navratilova (Tennisspielerin)

Nun ging es für mich alleine weiter, immer wieder flossen Tränen, so hatte ich mir meinen ersten Marathon nicht vorgestellt. Dafür habe ich doch wochen- und monatelang trainiert. Solche Beschwerden hatte ich noch nie im Training und vor allem nicht nach 10 km.

Ab jetzt hieß es beißen, der Ehrgeiz ließ nicht los! Ich wusste, dass es nun nicht mehr weit ist, bis mich meine Mädels empfangen. Da sah ich sie, bei Kilometer 29 mit Plakaten „GO ZSOFIA“, ich versuchte alle abzuklatschen und zu umarmen, aber sie liefen einfach mit. Mit Sack und Pack liefen sie mit mir einen Teil der Strecke entlang, ihr glaubt gar nicht wie viel Kraft mir das gegeben hat! Sie haben mich einfach ein Stück begleitet, haben Musik laut angemacht und so motivierende Worte zugerufen „Zsofia du Maschine, du schaffst das!“

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Die beste Motivationscrew: Julia, Hedda und Becky ❤

Das gab mir so einen enormen Adrenalinkick, so ein tolles Gefühl. Generell war die Stimmung am Rand super, es ist Wahnsinn wie viel das ausmacht und was das in einem auslösen kann.

Kurz darauf stand auch schon wieder meine Familie und mein Freund bereit. Mein Freund ist mir ab Kilometer 30 mit dem Fahrrad nicht mehr von der Seite gewichen, ich musste ca. alle 2 km anhalten, um meine Beine zu lockern und zu dehnen, er versorgte mich regelmäßig mit Getränken und der nötigen Motivation, um den Kampf gegen die Krämpfe zu gewinnen. Es war hart, aber ich wollte es so sehr.

Kilometer 38 – nur noch 4 Kilometer, die wahrscheinlich längsten Kilometer in meiner Laufkarriere.

Ich fühlte mich, als ob mein Körper in zwei geteilt wäre, die obere Hälfte hätte locker den Lauf in einem schnelleren Tempo weiterlaufen können, ich war nicht mal außer Atem. Die untere Hälfte zog mir einen Strich durch die Rechnung, ich fühlte mich z.T. wie an den Boden gefesselt.

Auf meinem letzten Kilometer konnte ich auf einmal noch mal alles abschalten und einen kleinen Sprint ins Ziel einlegen. Ich weiß nicht wie das möglich war, aber es ging. Endlich angekommen, die Ziellinie überquert, brach ich völlig in Tränen aus. Vor Stolz, vor Schmerzen, vor Erleichterung.

Ich habe es geschafft, ich habe meine erste Marathon Medaille hart erarbeitet und bin unfassbar stolz! Meine Nettozeit: 04:17:58

Ich kann das alles noch nicht realisieren, muss die Emotionen und Eindrücke noch verarbeiten.

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Meine Auswertung

Ich kann gar nicht oft genug DANKE sagen, an alle die mich unterstützt und an mich geglaubt haben, die mich auf meiner Reise begleitet und motiviert haben. Ob live vor Ort oder aus der Schweiz, Thailand, Ungarn oder Deutschland.

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Bestes natürliches Doping!

Zwei Tage sind nun vergangen, meine Beine sind schwer. Ich versuche sie zu schonen, meinem Körper Erholung zu geben und alles zu verarbeiten. Ich werde demnächst einen Sportarzt aufsuchen, der mir hoffentlich erklären kann, warum es ausgerechnet bei meinem ersten Marathon zu solchen Problemen kam. Schwierigkeiten mit Krämpfen habe ich schon lang, aber nicht so extrem.

Die nächste Marathon Anmeldung steht bereits, am 07. Oktober 2018 trete ich in Köln meinen nächsten Marathon an, bis dahin habe ich genug Zeit, um noch mehr aus mir rauszuholen, um meine Zielzeit unter 4 Stunden zu erreichen!

Deine Zsofia

Posted by:Zsofia

13 Antworten auf „Wenn alles anders kommt als man denkt: Mein erster Marathon (42,195 km)

  1. Uff – das klingt hart! Aber klasse, dass Du es doch noch geschafft hast.

    Aus dem Interesse heraus und weil ich ja im Herbst auch Marathon zu laufen beabsichtige:
    Hast Du denn Wettkampferfahrung auf kürzeren als der Marathon-Strecke? Wettkampf ist doch nochmal anders als Training – in vielerlei Hinsicht.
    Wie lange lief Dein Trainingsplan denn und wie viel hattest Du denn vorher schon aufgebaut?

    Und noch so ein kleines Ding – wenn Du Probleme mit Krämpfen hast, könnte Magnesium vielleicht ein Ding sein. Ich habe in letzter Zeit mit Sesamsamen in meinem morgendlichen Müsli gute Erfahrungen gemacht.

    Die sollte man aber vorher einweichen, damit die Phytinsäure abgebaut wird – sonst führt man zwar Magnesium-Phytinsäure-Komplexe zu, aber die Phytinsäure bildet auch mit den vom Dünndarm ausgeschütteten Mineralstoffen Komplexe und am Ende scheidet man mehr Mineralstoffe aus, als man zugeführt hat.

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    1. Hey 🙂 ja, ich habe schon an mehreren Läufen bzw. Wettkämpfen teilgenommen, bin da sogar auch immer meine Bestzeit gelaufen. Ich laufe seit ca. 3 Jahren so intensiv und das explizite Marathon Training ging 10 Wochen (hab das Buch mit meinem Trainingsplan auch hier auf meiner Seite verlinkt). Ich bin leider schon immer sehr anfällig für Krämpfe gewesen, nehme wöchentlich hochdosiertes Magnesiumcitrat, aber evtl. muss ich mich da mal genauer testen lassen, um zu schauen, wo der Grundstein des Problems liegt… das mit den Sesamsamen ist mir neu, vielen Dank für den Tipp, das probiere ich sehr gerne mal aus!
      Ich bin gespannt was meine Tests ergeben werden, ich werde berichten, sobald ich mehr weiß 🙂

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      1. Je nachdem wie dein Training läuft oder du weißt welche Mangel oder Komplikationen du hast, kannst du dich ja vorher von einem
        Arzt checken lassen. Ich hätte das anscheinend tun sollen… naja im Nachhinein ist man immer schlauer, fürs nächste Mal weiß ich Bescheid 🙂

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  2. Liebe Fia,
    auch wenn ich‘s Dir schon geschrieben habe, aber hier auch noch mal. Du kannst so unfassbar stolz auf dich sein! Das ist so eine irre Leistung, die du erbracht hast. Vor allem unter den Bedingungen. Hut ab vor deinem Ehrgeiz, deiner Motivation und deinem Willem. Du bist wirklich ne Inspiration!
    Ich drück dich ganz dolle! Katha 🙂

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    1. Danke meine Liebe! Auch wenn es nicht optimal lief bin ich natürlich super glücklich es geschafft zu haben. Vielleicht gehen wir demnächst auch Mal zusammen laufen :))
      Ich drück dich auch, bis bald :*

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